始まりhajimari

Wie alles anfing

Bevor ich den ersten Koi verkauft habe, hielt ich sie für bunte Goldfische. Ein Gespräch hat das geändert.

Unterwegs bei der Ernte, Niigata, Oktober 2013.

Ein Keller voller Buntbarsche

Angefangen hat es nicht mit Koi, sondern im Keller meines Elternhauses. Schon als Kind und später als Jugendlicher habe ich dort Zierfische gezüchtet: Buntbarsche aus dem Tanganjikasee, Südamerikaner, Diskus. Ein Teil davon ging über den Großhandel nach Japan. Das war meine erste Verbindung in das Land, in das ich später über hundert Mal reisen sollte.

Gereizt haben mich immer die Fische, deren Zuchtformen sich gestalten lassen. Beim Diskus führt der Weg vom braunen Tier mit wenigen Linien über den halb linierten zum voll linierten Fisch. Werden die Linien immer breiter, steht am Ende ein vollständig blauer Fisch. Durchgehend linierte Tiere gibt es auch in der Natur, man nennt sie Royal Blue. Eine Zeit lang war außerdem Rot in Mode: Aus bestimmten Fanggebieten, zuerst Alenquer, später Curipera, kamen braune Diskus mit sehr hohem Rotanteil, und aus ihnen versuchte man flächig rote Fische zu züchten.

Fische nach eigener Vorstellung zu verändern, zu vermehren und zu verbreiten, das hat es mir immer angetan.

Koi im Kühlwasser der Molkerei

Die ersten Koi sah ich im Aquarienverein Hottonia in Darmstadt, einem der ältesten Aquarienvereine Deutschlands, gegründet 1897. Mitglied bin ich dort seit meiner Jugend, bis heute. Die Koi schwammen in Außenteichen, durch die das Kühlwasser der benachbarten Molkerei floss. Begeistert war ich nicht. Für mich waren das so etwas wie Goldfische: bunt, willkürlich, Farbmutationen. Das hat mir nicht gefallen.

Dann saß ich mit einem Vereinsmitglied zusammen, dem die Fische gehörten, und er zeigte mir seine Tiere: der Showa, da der Sanke, der Kujaku, der Chagoi. Ich fragte ihn, wieso er seinen Fischen japanische Namen gegeben habe. Er hätte sie doch genauso gut Klaus, Dieter und Kurt nennen können. „Nee, nee“, sagte er, „das ist die Zeichnung auf den Tieren.“ Ist ein Fisch rot-weiß und das Rot auf eine bestimmte Weise verteilt, ist es ein Kohaku. Liegt Schwarz darunter, ein Showa oder ein Sanke.

bonsai盆栽

Ein Volk, das Bäume in Schalen zieht

In diesem Moment war mein Interesse geweckt. Ein Volk, das Bäume in Schalen klein und niedrig hält und ihnen trotzdem den Ausdruck eines uralten Baumes gibt, überträgt dasselbe auf Fische. Ihre Färbung folgt einer Regel, sie sollen einen bestimmten Eindruck machen und als Kunst bestehen, gemessen an der Qualität von Haut, Körperbau und Größe.

Kiefer als Kaskade in einer sechseckigen Schale auf einem Holztisch
Ein Baum in der Schale, in Masashis Gärtnerei, Februar 2020.
Bonsai-Meister Masashi Hirao mit einer Kiefer in der Schale
Mein Freund Masashi Hirao, Bonsai-Meister. Seine Arbeit zeigt die Reihe „Bonsai Warrior“.

„Diese züchterische Herausforderung, die fand ich ganz, ganz faszinierend.“

Harald Bachmann
tabi旅

Kein Jahr später in Japan

Noch in derselben Woche habe ich die ersten Bücher gekauft und innerhalb weniger Wochen alles gelesen, was es auf Deutsch über Koi gab. Ich glaube, kein Jahr später saß ich schon im Flugzeug nach Japan, um mir das Ganze vor Ort anzusehen.

Auf dem Beifahrersitz saß Herr Takahashi aus Chiba, einer der bekanntesten Koi-Agenten seiner Zeit. Am Steuer saß ein Neunzehnjähriger, Takehiro Furuya, und hinten zwei deutsche Händler. So ging es im kleinen Minivan von Chiba über Tokio und Nagoya bis nach Hiroshima und Fukuoka, einmal quer durch Japan. Den jungen Fahrer habe ich Jahre später bei Dainichi wiedergetroffen.

Die Ginza in Tokio bei Nacht
Tokio, Ginza, 2012.

Das Koi-Fieber

Was dann folgte, war das absolute Koi-Fieber. Fische importieren, Fische verkaufen, und immer die Frage, wie das Geld für die nächste Reise zusammenkommt und wie man wieder hinkommt. Das kann jeder Koi-Händler nachvollziehen, der wirklich mit Herzblut dabei ist.

1993 habe ich mein Gewerbe angemeldet.

Shinkansen am Bahnsteig in Tokio
Shinkansen in Tokio, 2012.

Heute

Selbst züchte ich Koi bis heute nicht. Ich kaufe die Fische in Japan und ziehe sie hier in Deutschland groß. Die Jungfische stammen von der Dainichi Koi Farm, und ausgewählt werden sie von mir, zusammen mit Shigeru Mano.

Bis dahin war es ein weiter Weg. Unser erstes Projekt, ein Naturteich in Hessen, scheiterte an Umweltauflagen und an der Zustimmung der Gemeinde. In Mecklenburg-Vorpommern haben wir es geschafft, uns zu etablieren, und das ist heute so etwas wie unsere Heimat.