3.500 Tonnen Fisch – ohne Meer
Auf ihrer Japanreise im September 2026 besuchten Harald Bachmann und Professor Harry Palm von der Universität Rostock die größte Fischanlage an Land, die Japan derzeit baut. Was sie dort sahen, hat mit Koi auf den ersten Blick nichts zu tun – auf den zweiten sehr viel.
Ein Termin unter Freunden
Den Besuch hatte Bram vermittelt – derselbe Bram, mit dem Bachmann vor vielen Jahren seine erste Kohaku-Ernte bei Dainichi erlebte. Er hat in Wageningen Aquakultur studiert und ist heute Produktionsleiter bei einem der größten Aquakulturbetriebe Europas in den Niederlanden. So öffnete sich eine Tür, die sonst verschlossen bleibt: die neue Anlage von FRD Japan in Futtsu, in der Präfektur Chiba, nicht weit von Tokio.

Lachsforelle aus der Halle
FRD Japan zieht Regenbogenforellen auf, die als Lachsforelle unter dem Namen „Okasodachi“ verkauft werden – sinngemäß: an Land aufgewachsen. Das Wasser läuft im geschlossenen Kreislauf und wird von eigenen Bakterienfiltern gereinigt, so dass kaum Frischwasser nachgeführt werden muss und die Anlage nicht am Meer liegen muss. Antibiotika werden nicht eingesetzt; der Betrieb ist nach ASC zertifiziert.
Erprobt wurde das zuerst im Kleinen: ab 2017 in Saitama, wo die Fische schlüpfen, ab 2018 in Kisarazu, wo sie bis zur Schlachtreife wachsen – etwa 30 Tonnen im Jahr. 2019 ging die erste Lieferung hinaus. In Futtsu wird seit Juli 2023 gebaut, seit Februar 2026 läuft der Betrieb. Ab 2027 sollen dort 3.500 Tonnen im Jahr entstehen.

Becken wie ein Kraftwerk
Die Becken sind bis zu acht Meter tief und bis zu zwanzig Meter breit. Die Pumpen und ein Großteil der Technik stammen von norwegischen und isländischen Firmen, die sonst für die Lachszucht bauen.

„Das ganze Ding macht einen Eindruck, als würden sie da ein Atomkraftwerk hinsetzen.“
Was ein Koi-Betrieb daraus lernt
Mit Koi hat eine Forellenanlage auf den ersten Blick wenig gemein. Die Fragen aber sind dieselben: Wie bleibt das Wasser sauber, wenn es kaum getauscht wird? Wohin mit Nitrat und Phosphat? Wie lassen sich Strom und Wärme bezahlbar halten? Genau damit ringt auch Dainichi Europe in Mecklenburg-Vorpommern, wo der Landkreis das Abwasser genau prüft – nur in viel kleinerem Maßstab.
Harald Bachmann ist gelernter Chemielaborant und hat in seiner Anlage ein eigenes Labor mit Messgeräten aufgebaut. Besuche wie dieser und der Austausch mit der Universität Rostock sind für ihn der Weg, immer wieder dazuzulernen.
„Wie macht man es besser – und wie kann man es noch wirkungsvoller machen.“
