祭りmatsuri

Feuer, Ballone und Stiere

Ein kleiner Reiseführer für Koi-Freunde: Was es in Niigata außer Koi noch zu erleben gibt, durch das Jahr erzählt.

Feuerwerk beim Katakai-Matsuri in Ojiya.

Als Professor Harry Palm mich fragte, was ich ihm auf unserer gemeinsamen Japanreise im September 2026 zeigen könnte, stand natürlich der Fisch im Vordergrund: die Aquakultur, die Züchter, die Mudponds in den Bergen. Aber wer das erste Mal nach Niigata kommt, soll auch etwas vom Land sehen. Also habe ich auf die Website der Stadt Ojiya geschaut und auf die Seite unseres Hotels. Dort stieß ich immer wieder auf dieselben drei Ereignisse: das Ballonfestival, den Stierkampf und das große Feuerwerk.

Ein viertes kam unterwegs dazu. Überall in den Bergen standen Gestelle, an denen die Reisgarben trocknen, und Harry wollte wissen, was es damit auf sich hat. Die Antwort führte uns mitten in den Winter, zu einem Feuer, an dem die Kinder Tintenfisch rösten. Aus diesen vier Geschichten ist dieser kleine Reiseführer geworden. Er folgt dem Jahr, denn jedes dieser Feste hat seine eigene Zeit. Wer als Koi-Freund nach Niigata reist, kann seine Reise danach planen.

ine稲

Herbst: Gestelle voller Reis

Nach der Ernte im Herbst hängen die Bauern in Niigata ihre Reisgarben an hohe Gestelle aus Holzpfosten, Stangen und Seilen, oft zwischen alten Zedern am Rand der Terrassenfelder. Dort trocknen die Garben samt Körnern langsam an der Luft. Erst danach wird gedroschen, und übrig bleibt das Stroh.

Dieses Stroh war früher ein wertvoller Rohstoff. Auf alten Bildern von der Feldarbeit sieht man die Bauern in Regenumhängen aus Reisstroh. Und bis heute baut man daraus im Winter etwas ganz Besonderes.

Langes Holzgestell an einer Straße, dicht behängt mit goldenen Reisgarben
Reisgarben zum Trocknen am Gestell. Unten hängen die Rispen mit den Körnern. Oktober 2010.
Leeres Trockengestell aus Holzpfosten und Querstangen am Waldrand
Trockengestell zwischen hohen Zedern, mit Seilen und einer langen Holzleiter, von unten gesehen
Leere Gestelle, bereit für die nächste Ernte. Oktober 2011.

Januar: das Strohfeuer

Zum kleinen Neujahr, um die Mitte des Januars, bauen die Dörfer aus Reisstroh riesige Kegel, wie einen gewaltigen Tannenbaum aus Stroh. In Niigata heißt dieses Feuer meist Sai-no-Kami. Darin verbrennt man den Neujahrsschmuck und bittet um Gesundheit für das neue Jahr. Für mich hat es auch etwas von unserer Fastnacht: Man vertreibt den Winter, und das ganze Dorf kommt zusammen.

Hoher Strohkegel mit grünem Wipfel, aus dem eine riesige Qualmwolke aufsteigt, davor Zuschauer mit Schirmen
Ein Strohfeuer zum kleinen Neujahr, Januar 2016.
Der brennende Strohkegel aus der Nähe, Flammen schlagen seitlich heraus
Die Flammen schlagen durch.

Wenn der Kegel angezündet wird, steigt zuerst dichter weißer Qualm auf, dann schlagen die Flammen durch, und am Ende fällt das Ganze in sich zusammen.

Dann kommt der Moment, auf den die Kinder gewartet haben: An langen Bambusstangen halten sie getrockneten Tintenfisch in die Glut und rösten ihn, so wie bei uns das Stockbrot.

Brennender Strohkegel, davor viele Zuschauer
Das ganze Dorf schaut zu.
Nach dem Einsturz des Kegels halten Menschen lange Bambusstangen ins Feuer
Am Ende wird an langen Stangen Tintenfisch geröstet.

Februar: Ballone im Schnee

Ende Februar steigen über den verschneiten Feldern von Ojiya bunte Heißluftballone auf. Das Ballonfestival gibt es seit 1977. Die Teams fahren dabei auch einen Wettbewerb, bei dem es darum geht, möglichst nah an einem Ziel zu landen.

Meine Bilder davon sind ganz zufällig entstanden. Ich hielt an einem Seven-Eleven, um mir einen Kaffee zu holen, und auf der anderen Straßenseite kamen die Ballone herunter. Ich habe eine Weile zugeschaut, ein paar Bilder gemacht und bin weitergefahren. Japan eben: Neben dem Strommast mit dem Schild des Supermarkts schwebt plötzlich ein Ballon über dem Schnee.

Viele Heißluftballone über einer verschneiten Ebene, vorn ein Schneewall
Ballone über den Feldern von Ojiya.
Blau-gelber Heißluftballon von unten, der Brenner ist zu sehen
Direkt über der Straße.

Großer rot-weißer Ballon im Zickzackmuster, dahinter weitere Ballone
Regenbogenfarbener Ballon hinter einem Schild, davor ein weißer Kleinbus im Schnee
Blau-gelber Ballon hinter einem Strommast mit Supermarktschild
Ballonfestival Ojiya, März 2014.
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September: Katakai, das größte Feuerwerk

Am 9. und 10. September feiert das Dorf Katakai in Ojiya sein Herbstfest am Asahara-Schrein, und dazu gehört eines der berühmtesten Feuerwerke Japans. Seit der Edo-Zeit werden die Feuerwerkskörper dem Schrein als Opfergabe dargebracht. Ich war 2017 dort eingeladen, und für mich ist es die Weltmeisterschaft des Feuerwerks.

Das ganze Dorf baut auf freier Fläche eine riesige Tribüne. Jeder Feuerwerkskörper kostet ein kleines Vermögen und ist deshalb meist von einer Firma oder einer Vereinsgemeinschaft gestiftet. Vor jedem Abschuss sagt der Stadionsprecher an, wer ihn gestiftet hat. Rundherum entsteht ein kleiner Jahrmarkt, und über allem liegt Festmusik mit Gesang und Trommeln. Gigantisches Ambiente, ganz typisch altes Japan.

Katakai – das größte Feuerwerk der Welt.
Grünlich leuchtendes Feuerwerk über dunklem Land
Rote Feuerwerkskugel am Nachthimmel
Blau-weiße Feuerwerkskugel am Nachthimmel
Eine riesige runde Feuerwerkskugel ist in einem Eingangsbereich ausgestellt, daneben Schilder
Eine Vier-Shaku-Kugel, ausgestellt in der Touristeninformation von Ojiya.

Die Vier-Shaku-Kugel

Berühmt ist Katakai für seine Vier-Shaku-Kugel, eine Feuerwerkskugel von gut einem Meter zwanzig Durchmesser und rund 420 Kilo. Am Himmel öffnet sie sich zu einer Blüte von etwa 800 Metern. Auf dem Schild neben dieser Kugel steht: die größte der Welt.

Im September 2026 war die Feuerwerkssaison schon vorbei. Ich habe Harry Palm deshalb die ausgestellten Kugeln gezeigt. Er war vollkommen fasziniert, hat Fotos gemacht, und ich habe ihm danach meine Bilder vom Abschießen geschickt.

tōgyū闘牛

In den Bergen: der Stierkampf

Den Stierkampf hat Harry im September leider verpasst, wir waren zu früh dran. Ich habe ihm aber die kleine Arena im Wald oberhalb der Koi-Farm Shinoda gezeigt. Er dachte, beim Stierkampf fließe Blut. Das ist hier nicht so. Die Stiere drücken nur Kopf an Kopf gegeneinander. In Yamakoshi heißt das Tsunotsuki, Hörnerstoßen, und jeder Kampf wird als Unentschieden beendet, bevor ein Tier verletzt wird.

Entstanden ist der Stierkampf aus der Arbeit auf dem Land. Früher pflügten die Bauern ihre Reisfelder mit Rindern. Der Überlieferung nach ließ man schon vor rund tausend Jahren die Stiere in den ruhigen Wochen zwischen Pflanzen und Ernte gegeneinander antreten, es wurde gewettet, und daraus wurde der Sport von heute. Der feuchte, weiche Boden der Arena erinnert bis heute an ein Reisfeld. In Japan ist der Stierkampf als wichtiges immaterielles Volkskulturgut geschützt.

Tōgyū – Stierkampf in Niigata: kein Blut, nur Kopf an Kopf.

Die meisten Koi-Züchter hier halten auch Stiere, nicht nur Shinoda. Sie bringen ihre Tiere im Viehtransporter zur Arena. Dort treten die Dörfer der Bergregion gegeneinander an, und der Kopfschmuck der Stiere zeigt die Farbe des Dorfes. Jede Mannschaft steht mit ihrem Stier für ihre Ortschaft in der Arena. Es geht eine Sakeflasche herum, man trinkt sich Mut an, und am Abend kehrt jeder Stier in seinen heimischen Stall zurück. Das ist alles sehr dörflich und sehr schön anzusehen.

Drei Arenen liegen hier nah beieinander. Neben der kleinen im Wald gibt es eine größere auf der anderen Seite des Berges in Yamakoshi, zu der auch Reisebusse aus Tokio kommen. Nach dem schweren Erdbeben von 2004 ruhte der Stierkampf dort eine Zeit lang. Dass er wieder stattfindet, ist für die Menschen ein Zeichen des Wiederaufbaus.

Runde Arena im Wald von oben, Zuschauer auf den Rängen
Die Arena in Yamakoshi.
Überdachte Tribüne mit bunten Bannern, darunter Zuschauer
„Halte durch, Yamakoshi“, steht auf einem der Banner.

Zwei Stiere drücken in der Arena die Köpfe gegeneinander, Helfer stehen um sie herum
Kopf an Kopf, die Helfer immer in der Nähe. Oktober 2011.
Zwei Stiere, ein schwarzer und ein brauner, Stirn an Stirn
Es zählt die Kraft, nicht die Verletzung.
Kopf eines Stiers mit einem dicken rot-weiß-schwarzen Seil als Kopfschmuck
Der Kopfschmuck zeigt die Farbe des Dorfes.

Harald Bachmann im grünen Pullover führt einen Stier am Seil
Auch ich durfte einmal einen Stier führen. Oktober 2011.

Ein Kampftag ist ein Fest für das ganze Dorf, und auch die Kinder sind dabei.

Wer als Koi-Reisender bei den Züchtern in den Bergen unterwegs ist, sollte nach dem nächsten Kampftag fragen. Die Arenen liegen mitten im Koi-Land.

Ein Kind von hinten, mit einem Seil über der Schulter, auf einem Weg mit Herbstlaub
Ein Kind in gelben Gummistiefeln hockt an einem Baum, dahinter ein Stier
Die Jüngsten sind immer dabei. Oktober 2011.
Ein Stier am Seil auf einer Straße in der Abenddämmerung, im Tal Lichter
Shinodas Stier vor dem Koi-Haus, am Abend. Oktober 2010.

Mit Harry Palm in Japan

Was wir auf derselben Reise bei Torazo und in der größten Forellenanlage Japans an Land erlebt haben, erzählen diese Beiträge. Und worüber Haaki und ich vor der Reise gesprochen haben, steht in Folge 32.