Haaki, wer bist du?
Haaki mit Bachmann, Folge 34 und 35. Sonst stellt Haaki die Fragen, und ich antworte. Diesmal haben wir den Spieß umgedreht.
Haaki mit einem Yellowtail Kingfish.
In vielen Folgen unserer Reihe sitzt Haaki mir gegenüber und löchert mich: über Japan, über Züchter, über den Koi-Markt. Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass er nicht irgendein Fragesteller ist, sondern selbst tief in der Welt der Fische steckt. Deshalb habe ich ihn am 18. Oktober 2026 einmal selbst gefragt, wer er eigentlich ist, wo er herkommt und wie er sich in unsere Filme geschlichen hat. Herausgekommen sind zwei Folgen. Die erste erzählt, wie aus einem Angler ein Koi-Freund wurde.
Ein Chagoi und eine kalte Dusche
Kennengelernt haben wir uns 2018, bald nachdem ich mit der Anlage nach Mecklenburg gekommen war. Haaki hatte auf unserer Plattform Woche für Woche mitgeboten, vor allem auf die helleren Chagoi mit den durchgefärbten Flossen, die damals sehr gefragt waren. Für das, was er ausgeben wollte, war das gar nicht so einfach. Irgendwann bekam er einen Fisch, kam ihn abholen und brachte gleich einen ganzen Sack Fragen mit.
Sein Teich war damals ein halber Naturteich: Kiesel, Seerosen, Pflanzen, gut 170 Kubikmeter, ohne Isolierung und ohne Wärmepumpe. Ich habe ihm geantwortet, wie ich das immer tue. Willst du einen Koi-Teich oder einen Pflanzenteich? Du musst dich entscheiden. Wo Pflanzen und Kies sind, entstehen Zonen ohne Sauerstoff. Haaki erinnert sich an diesen ersten Besuch als an eine kalte Ohrfeige, und er hat es mir nicht übel genommen. Wer mit einem Fachmann spricht, sagt er, ist erst einmal froh, eine vernünftige Antwort zu bekommen. Sie muss nicht unbedingt freundlich sein.
„Ich glaube, das war so unsere erste Begegnung, wo ich dachte: Oh, der ist ja ein bisschen unterkühlt, der Mann.“
Vom Kunden zum Freund
Die Anlage war damals noch mitten im Entstehen. Die Brücke gab es noch nicht, die Eckteiche hatten nicht ihre heutige Größe, und die neue Halle stand noch nicht. Haaki war beeindruckt, kaufte noch ein, zwei, drei Fische und kam immer wieder. Weil er sah, wie sich die Tiere bei ihm entwickelten, hat er irgendwann aufgehört, woanders Koi zu kaufen.
Dass daraus eine Freundschaft wurde, hat aber erst etwas anderes ausgelöst. Bei Koi-Fragen kam Haaki mir anfangs immer etwas unsicher vor, und das kann ich schlecht ab. Als es dann bei uns um Strom, Batterie und Solaranlage ging und Frank meinte, da müsse ich unbedingt Haaki fragen, war er wie ausgewechselt: schnell, eloquent, voller Ideen. Da dachte ich, hinter dem steckt doch noch mehr. Haaki sieht es nüchterner. In der Koi-Welt wollte er von mir lieber etwas hören, als mir etwas zu erzählen. Meine Bücher hatte er da längst gelesen.
Seitdem helfen wir uns gegenseitig. Er hat mich bei mancher Entscheidung zur Energie in unserer Anlage beraten, ich ihn beim Koi. Und mehr als einmal ist er eingesprungen, wenn ich keine Zeit hatte und Kunden von mir zum Angeln wollten.
Ein Leben am Wasser
Mit vier oder fünf Jahren hat Haaki zum ersten Mal geangelt, und das Fieber hat ihn nie wieder losgelassen. Als kleiner Junge saß er an den Gewässern in seiner Nähe, und mit neun oder zehn annektierte er das kleine 100-Liter-Aquarium seines Vaters. So ähnlich, sagt er, wie es bei vielen unserer Kunden war: Sie kommen als Aquarianer oder Angler, sehen irgendwann einen gut gepflegten Koi-Teich und denken, was für Fische.
Bei ihm war einer dieser Momente 2001 am Flughafen in Singapur, wo es Koi-Teiche gibt. Er weiß noch, wie er davorstand und staunte. Es hat dann aber bis 2013 gedauert, bis er auf dem eigenen Grundstück einen Teich anlegen konnte.
Karpfen, Hechte und das geteilte Erlebnis
Anfang der Neunziger begann Haaki, gezielt auf Karpfen zu angeln, und zwar mit Boilies, als man die noch nicht fertig kaufen konnte. Er rollte sie selbst, zentnerweise, fror sie ein, salzte sie ein, probierte alles Mögliche aus. Vielleicht, sagt er heute lachend, hätte er seine Mischung vor zwanzig Jahren tütenweise verkaufen sollen. Gut fünfzehn, zwanzig Jahre hat er fast nur in Mecklenburg geangelt, an den großen Naturseen rund um Schwerin, die für große Karpfen ideal und für den Angler alles andere als einfach sind. Fische zwischen zehn und fünfzehn Kilo waren normal, zwanzig Kilo die Ausnahme, und auch die hat er gefunden.
Irgendwann kamen die Hechte dazu, vor allem auf dem Schweriner See, mit Fischen bis 1,24 Meter. Ab etwa 2010 hat er sich durch die Fischarten geangelt: Waller am Po, Lachs, Dorsch und Meerforelle in der Ostsee. Und mit den Jahren verschob sich etwas. Am Anfang war es die Jagd nach dem großen Fisch. Später war es das Erlebnis, die Freude mit jemandem zu teilen, mit dem man gern auf dem Wasser ist.
So ging es auch uns beiden auf dem Plauer See. Beim Schleppfischen muss einer die Kante im Blick behalten und das Boot führen, der andere kümmert sich um die Leinen. Das ist fast schon mehr Fischerei als Angeln, Teamarbeit eben, und auf diesem Niveau schafft man es allein kaum. Der Hecht von 1,20 Meter, den man auf unserer Homepage sieht, war so ein gemeinsamer Fang.

In den Tropen
2019 hat Haaki zum ersten Mal in den Tropen geangelt, auf den Andamanen, einer weit verzweigten Inselgruppe, die zu Indien gehört. Dort fing er Giant Trevally, Barrakudas und andere Räuber an der Oberfläche, mit einer Wucht, die man von unseren Kaltwasserfischen nicht kennt. Das hat ihn gepackt. Seitdem macht er ein, zwei Reisen im Jahr: zweimal Madagaskar, zweimal Costa Rica, Roter Thun vor Spanien mit dem eigenen Boot.


Am eindrucksvollsten war für ihn die Robinson-Crusoe-Insel im Juan-Fernández-Archipel, weit draußen im Pazifik vor Chile. Dort ziehen wilde Yellowtail Kingfish vorbei, dieselbe Art, die Bram in Zeeland an Land züchtet. Haaki fing zwei Fische um die zwanzig Kilo. Ich habe Bram damals Bilder von Haaki mit seinen großen Kingfish geschickt. Bram meinte, die könne Haaki gern mitbringen, das sei bestimmt gutes Zuchtmaterial, um eine neue Linie einzukreuzen. So hängen Haaki, Bram und ich auch über diesen Fisch zusammen. Und dann sind da die Begleiter, die kein Pauschaltourist so leicht zu sehen bekommt: Delfinschulen, die mit den Thunfischen jagen, und Wale, ganz nebenbei.

In der zweiten Folge geht es um seinen eigenen Teich, um das, was er bei uns in der Anlage gesehen hat, und um eine Nacht im Fischhaus in Japan.
Ein Teich, eigentlich zu groß
Was ihn an Koi von Anfang an fasziniert hat, ist die Größe. Als Kind sah man in Teichen Goldfische von fünf bis zwanzig Zentimetern, und plötzlich steht da ein Fisch von sechzig Zentimetern, für uns noch ein kleiner Koi, und man denkt, was für ein großer Fisch. Dazu die Farben, Rot, Weiß, Gelb, und die Frage, wie aus einem Fisch so viele Farbschläge entstehen können. Wenn er einmal ein eigenes Haus hätte, dann keinen Goldfischteich, sondern Koi.
Den Teich hat er dann bewusst groß gebaut, rund zwanzig Meter lang und acht bis zehn Meter breit. Den Pflegeaufwand hat er unterschätzt. Ohne Isolierung lassen sich 170 Kubikmeter kaum heizen, und mit zwei Bodenabläufen und einem Skimmer war die Hydraulik viel zu schwach, sobald die Fische wuchsen. Also baute er um: neue Filterkammern mit großen Bürstenfiltern, seitliche Abzüge, bis er etwa hundert Kubikmeter in der Stunde umwälzen konnte.
Und dann flogen die Pflanzen raus, die Binsen, die Schwertlilien, die Seerosen, tonnenweise Kiesel. Darunter fand er, was ich ihm vorhergesagt hatte: stinkenden schwarzen Schlamm aus abgestorbenen Schwebealgen. Schön für Seerosen, nicht gut für Koi. Große Krankheiten hatte er vorher nicht, aber danach standen die Fische sichtbar besser.
Mit Koi-Augen sehen
Anfangs, erzählt Haaki, hat er Koi angeschaut wie ein Angler: ein schöner, dicker Bauch, ordentlich schwer. Was einen guten Koi ausmacht, war ihm im ersten Jahr kaum bewusst. Das hat sich über die Bücher und die vielen Videos gründlich geändert. Heute findet er am spannendsten, wie man unter jungen Fischen die guten erkennt und wie sie sich entwickeln, etwa wenn bei einem Showa das Schwarz Stück für Stück nach oben kommt. Würde er noch einmal neu anfangen, sagt er, würde er wohl einen reinen Gosanke-Teich bauen, nur Kohaku, Sanke und Showa.
Diskus und Altum
Die Aquaristik hat Haaki nie aufgegeben. Nach dem Gesellschaftsbecken der Kindheit kamen Buntbarsche, mit Anfang, Mitte zwanzig blieb er beim Diskus hängen und zog eigene Nachzuchten groß, Flächentürkis und Rottürkis, nicht zum Verkauf, sondern aus Leidenschaft. Später wechselte er zum Altum-Skalar, den er jahrelang in einem 1.200-Liter-Becken gepflegt hat. Auch darin ticken wir ähnlich.
Ein Wochenendgast in der Anlage
In den letzten zwei Jahren hat Haaki mir oft geholfen, wenn wir Fische selektieren und filmen. Er trägt die Fische an, füllt die Becken fürs Fotografieren und bringt die Tiere in die Versandanlage, damit ich mich auf das gute Bild und das gute Video konzentrieren kann. Er hat auch schon in Badehose in meinem Aquarium gestanden und große Steine versenkt. Er sagt, er sei eben nur ein Wochenendgast, der mal einen halben Tag kommt. Aber er sieht die Fische dabei mit anderen Augen. Wenn man hundert Tosai einzeln für Foto und Video vorbereitet, geht man nüchterner an die Sache heran, und trotzdem fällt ihm jedes Mal etwas auf, wonach er mich fragt.
Halb Genetik, halb Umgebung
Am meisten beeindruckt ihn der Unterschied zwischen seinem Teich und unseren Becken, mit denselben Fischen als Ausgangsmaterial. Wärme, Wasseraufbereitung, Trommelfilter, die durchgehendes Füttern erlauben, und ein pH-Wert, den wir im neutralen bis leicht sauren Bereich halten, während sein großer Teich immer um acht herum liegt. Das sieht man an der Haut: an einem reinen Weiß und einem leuchtenden Rot.
Viele Koi-Halter unterschätzen das. Sie kaufen einen guten Fisch und wundern sich, warum er bei ihnen nicht so aussieht wie auf dem Foto. Ich sage dann: mindestens fünfzig zu fünfzig. Fünfzig Prozent sind Genetik, man braucht einen guten Fisch, um einen guten Fisch aufzubauen. Die anderen fünfzig Prozent sind die Umgebung, die man ihm schafft, Futter, Temperatur, Wasser. Je besser diese Umgebung ist, desto mehr Tiere aus einem Jahrgang entwickeln sich zu wirklich guten Fischen.
2.600 Fische und ehrliche Videos
Wer uns in diesem Jahr gefolgt ist, hat über 2.600 Fische gesehen, jeden mit eigenem Video und allen Angaben. Haaki schätzt daran, dass ich dabei ehrlich bleibe und das Wort Tategoi nicht inflationär benutze. 2.600 Fische können nicht alle Tategoi sein. Im bewegten Bild sieht man einen Fisch noch einmal anders als auf einem gut gemachten Foto, und wer mir eine Weile zuhört, hört auch heraus, ob ich von einem Tier begeistert bin oder nicht.
Natürlich kann man bei uns auch vor Ort aussuchen. Dann ist es aber gut, vorher auf der Homepage zu schauen, welche Fische in Frage kommen und in welchem Becken sie schwimmen. Wer ohne Vorstellung vor dreitausend Tieren steht, sechshundert Kohaku allein, weiß am Ende nicht mehr, was er will. Manchen Kunden sage ich deshalb: Bleib zwei, drei Tage. Komm am ersten Tag, trink einen Kaffee, schau dich um. Am zweiten schaust du noch einmal, und am dritten machen wir Nägel mit Köpfen.
Nachts im Fischhaus
Haaki hat damals auch meine Japan-Berichte von 2018 und 2019 gelesen, und besonders die Laichzeit hat ihn gefesselt. Wir stehen mit den Autos vor den Gewächshäusern und schlafen darin, mit einem Ohr am Fischhaus. Wann plätschert es, wann schlägt es? Um drei, vier Uhr morgens geht man hinein und schaut, was die Elterntiere veranstalten. Im Morgengrauen werden neue Fische umgesetzt und gewogen, alle tragen Kopflampen. Das hat, sagt Haaki, schon etwas vom Karpfenangeln.
Dabei sieht man auch, wie sauber diese Fischhäuser sind, man könnte vom Boden essen. Ob ein Züchter künstlich ansetzt oder natürlich ablaichen lässt: Die Hygiene dahinter unterscheidet nach meiner Erfahrung den Spitzenzüchter vom normalen. Das gilt auch draußen bei der Ernte. In Dainichis Naturteichen findet man kaum Schlamm, kaum Laub, nur dünnes Moos am Ufer, die Böschungen gepflegt, die Äste geschnitten. Anderswo sinkt man bei der Ernte im Schlamm ein.
Bleibt die Frage, die Haaki zum Schluss gestellt hat. Ein Mudpond heißt übersetzt Schlammteich, und er hatte sich darunter immer einen mineralreichen Ton-Lehm-Schlamm vorgestellt. Gemeint ist aber ein Erdteich. Die Erde, die Pfanne, aus der der Teich besteht, ist mineralreich. Der Faulschlamm aus Laub und abgestorbenen Pflanzen dagegen zehrt Sauerstoff, erhöht den Keimdruck und senkt, was ein Teich hervorbringen kann. Deshalb wird er bei Dainichi mit dem Bagger herausgeholt, bevor ein Teich im Frühjahr wieder bespannt wird.
Mehr mit Haaki
Im Gespräch davor hat Haaki wieder mich gefragt: über Japan, China und einen Cola-Automaten, der um die Dose spielt.