魚sakana

Vom Folienteich nach Zeeland

Bram Rohaan lernte ich als Praktikanten bei Dainichi kennen. Heute leitet er die Produktion einer der größten Fischfarmen an Land in Europa. Und er ist einer meiner besten Freunde.

Rundbecken bei Kingfish Zeeland, Januar 2024.

ike池

Ein Teich im Garten der Eltern

Mir ist Bram schon früh als außergewöhnlich talentierter junger Mann aufgefallen. Noch als Schüler, lange vor dem Abitur, durfte er im Garten seiner Eltern einen kleinen Teich für Koi anlegen. Sein Vater ließ ihm dabei freie Hand. Ich habe diesen Teich später einmal gesehen: ein ganz gewöhnlicher Folienteich, kein Prachtteich mit Trommelfilter.

Aber gerade dort stellten sich ihm die Fragen, die ihn nicht mehr losließen. Wie bringe ich einen Fisch dazu, dass er überlebt? Wie muss die Technik sein, damit er ein Milieu vorfindet, in dem er leben kann? Bram sagt selbst, dieser Gartenteich habe ihm geholfen zu erkennen, was er aus seinem Leben machen will. Schon einige Jahre vor dem Abitur war ihm die Richtung klar.

Nach dem Abitur ging er direkt nach Wageningen und studierte Aquakultur. Irgendwann merkte er auch, dass ihn die bunten Zierfische allein nicht ausfüllen würden und dass es in der Fischzucht noch größere Aufgaben gibt.

Herbst 2012, Dainichi

Sein neunmonatiges Praktikum machte Bram auf der Dainichi Koi Farm in Japan. In seiner letzten Woche lernten wir uns besser kennen, und im Oktober 2012 standen wir zum ersten Mal gemeinsam im Teich, bei der Ernte großer Kohaku. Wie es dazu kam, erzähle ich im Beitrag über Dainichi.

Bram bei der Kohaku-Ernte bei Dainichi

Unsere erste gemeinsame Ernte bei Dainichi, Oktober 2012.

Alte Bücher, eine Bowlingbahn und ein Seminar bei Lyon

Wir blieben in Kontakt. 2013 fragte Bram mich, ob ich ihn zu Seminaren nach Frankreich begleiten würde. Natürlich wollte ich. Ein Auto hatte er damals noch nicht, also holte ich ihn in Wageningen an der Universität ab. Im Gepäck hatte ich ein Geschenk für ihn: einen Satz sehr alter Gewinnerbücher der Shinkokai aus der Zeit vor 1970, alte Aufzeichnungen über Japan und seine Koi. Ich dachte, die würden ihn interessieren.

Das Seminar fand in der Nähe von Lyon statt. Untergebracht waren wir in einer Art Raststättenhotel, und abends wussten wir zunächst nicht so recht, was wir dort anfangen sollten. Dann entdeckten wir, dass die Bar eine Bowlingbahn hatte. Bram und ich suchen beide gern den Wettbewerb, und so wurde aus einem harmlosen Abend ein einziger Wettstreit, wer der Bessere ist. So war es zwischen uns eigentlich immer: Irgendetwas fanden wir, um uns zu messen.

Bram hält einen Workshop über Qualität bei Koi
Brams Workshop „How to recognize quality and potential in Koi?“, Frankreich 2013.
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Mitarbeiter der ersten Stunde

Nach einer Station auf einer Lachsfarm in Dänemark kam Bram zu Kingfish Zeeland. Was ihn dort reizte: Er konnte einsteigen, als das Design der Anlage noch nicht feststand, und sie von Anfang an mitgestalten. Heute ist er dort Produktionsleiter.

Kingfish Zeeland liegt in Kats in der niederländischen Provinz Zeeland, an der Oosterschelde. Die Anlage wurde 2018 eröffnet und zieht in einem Kreislauf aus Meerwasser Yellowtail Kingfish auf, einen Fisch, den man in Japan als Hiramasa kennt. Nach Angaben des Unternehmens kommen die Fische ohne Antibiotika aus, der Strom stammt vollständig aus erneuerbaren Quellen, und die Anlage kann heute rund 4.000 Tonnen im Jahr erzeugen.

Rundbecken mit Fischschwarm in der Halle von Kingfish Zeeland
Blick in die Halle: Yellowtail Kingfish im Rundbecken, Januar 2024.
3 Windräder

versorgen die Anlage mit Strom, eines vor jeder der drei großen Hallen.

15 Minuten

ohne Strom, und die Fische wären verloren. Deshalb ist rund um die Uhr jemand vor Ort.

4.000 t

Yellowtail Kingfish im Jahr kann die Anlage nach Angaben des Unternehmens erzeugen.

Drei Ikea-Märkte, drei Windräder

Im Januar 2024 habe ich Bram in Zeeland besucht. Man muss sich die Anlage vorstellen wie drei Ikea-Märkte nebeneinander, und vor jedem steht ein großes Windrad. Am meisten beeindruckt hat mich, wie sicher alles gebaut ist. Für den Fall, dass der Strom ausfällt, stehen etliche Notstromaggregate bereit, und vor der Tür ein großer Sauerstofftank. Eine Viertelstunde ohne Strom, und die Fische wären verloren. Deshalb sind immer drei, vier Leute im Schichtbetrieb vor Ort, mindestens einer für die Fische und einer für Elektrik und Technik.

Die Wasseraufbereitung erstreckt sich über drei Geschosse. Rieselfilter und Gasaustauscher arbeiten dort zugleich als Eiweißabschäumer. Der Schaum, der dabei entsteht, wird oben abgesaugt, und im obersten Geschoss kriecht man förmlich durch den Abschäumer hindurch.

Bram im Leitstand von Kingfish Zeeland
Bram im Leitstand, Januar 2024. Vor dem Fenster steht eines der drei Windräder.

Im Kleinen genauso

Vieles davon kenne ich aus unserer eigenen Anlage, nur in kleinerem Maßstab. Auch bei uns steht ein großer Sauerstofftank vor der Tür, und unsere Wasserkreisläufe werden mit reinem Sauerstoff versorgt, nicht bloß mit Luft. Jedes unserer Wassersysteme hat eine Alarmanlage, die bei Strom- oder Anlagenausfall piept. Den Alarm höre ich bis ins Schlafzimmer, ich bin sozusagen meine eigene Notstromüberwachung. Und es ist immer jemand da: Wenn ich in Japan bin, schläft Kerstin, die bei uns Versand und Kundenbetreuung leitet, oben in meiner Wohnung, hört die Alarme durch die Dachfenster und ruft die Kollegen an.

Anlagen wie die von Bram sind für uns ein Vorbild. Die großen, professionellen Betriebe zeigen, was in der Wasseraufbereitung möglich ist, und wir schauen immer wieder, was wir davon in unsere Welt übertragen können. Ganz einfach ist das nicht, denn Bram arbeitet mit Meerwasser, wir mit Süßwasser, und manches, was im Salzwasser gut funktioniert, geht im Süßwasser deutlich schwerer. Dafür entwickeln wir eigene Lösungen, und daran arbeiten wir weiter. Auch Bram selbst hat seine Erfahrung weitergegeben: Am Design der großen Forellenanlage von FRD Japan hat er mitgearbeitet, wie ich im Beitrag über FRD Japan erzähle.

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Hechte an der Seenplatte

Bram ist ein leidenschaftlicher Angler. Seine Urlaube verbringt er dort, wo man besonders gut angeln kann. Und die Mecklenburgische Seenplatte bei uns ist so etwas wie das europäische Zuhause der großen Hechte. Also kommt er auch deshalb her.

Geklappt hat es allerdings selten. Mal war es zu stürmisch, mal spielte mein Boot nicht mit. Und einmal fuhr ich mich mit dem Lastwagen an der Stelle fest, an der ich das Boot zu Wasser gelassen hatte. Bram fuhr dann mit Haaki hinaus, einem guten Freund von mir und ebenfalls ein begnadeter Angler, und ich blieb an Land.

Ein Wettstreit ist es unter Anglern sowieso. Aber beim Hechtangeln geht es mehr ums Zusammenspiel: Boot, Angelplatz und Wetter muss man gemeinsam richtig einschätzen.

Harald Bachmann mit einem großen Hecht auf dem Plauer See
Ich mit einem großen Hecht, Plauer See, April 2021.
Haaki mit einem großen Hecht im Boot
Haaki mit seinem Hecht, Plauer See, Mai 2021.

„Das verbindende Hobby ist eigentlich immer der Fisch. Egal, ob du ihn pflegst, groß machst und verkaufst, oder ob du ihm nachstellst.“

Harald Bachmann

Ich glaube, ein großer Teil der Angler ist einfach neugierig darauf, was unter der Wasseroberfläche sitzt. Das Suchen nach dem Unbekannten, das Hervorlocken dessen, was dort unten lauert, das ist die Leidenschaft des Anglers. Und vielleicht ist es auch die, die Bram als Jungen an seinem kleinen Folienteich gepackt hat.