芸術geijutsu

Körper vor Muster

Sortieren mit Shigeru, Folge 3. Über Blutlinien, über einen Grand Champion für 50.000 Yen und über die Frage, warum das schönste Muster selten gewinnt.

Am Mudpond, September 2026. Foto: Naoto.

Zwei Folgen lang hat Shigeru an der Schüssel von seinen Kawari-Linien erzählt. In der dritten wollte ich über etwas sprechen, das jeden Liebhaber angeht, ob er Kawari mag oder Gosanke: Woran erkennt man einen Koi, der etwas wird? Und wie viel sagt dabei die Blutlinie?

Sortieren mit Shigeru #3, Dainichi Koi Farm, September 2026. Englisch gesprochen, mit deutschen Untertiteln.
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Was die Blutlinie verrät

Immer wieder kommen Kunden zu mir und wünschen sich einen Showa aus der Mona-Lisa-Linie oder aus der White- oder Black-Monroe-Linie. Sie möchten über Blutlinien reden. Meine Meinung dazu ist klar: Für einen Liebhaber ist die Blutlinie längst nicht so wichtig, wie er denkt. Wichtig ist der Fisch, der vor ihm schwimmt. Wie ist die Körperform, wie der Kopf, das Motoguro, die Farbe, die Haut? Das muss man an diesem einen Fisch sehen. Über Blutlinien spreche ich gern, aber mit dem Züchter, wenn ich im Juni bei ihm bin und sehe, was er mit seinen Elterntieren vorhat. Dann ist es ein wunderbares Gespräch über Ideen und Wege. Für die Qualität des Fisches, den man kaufen möchte, sagt die Linie wenig.

Shigeru gab mir recht und verteidigte die Kunden trotzdem. „Wäre ich Liebhaber, würde ich auch fragen, welche Blutlinie die beste ist“, sagte er. Nur sei die Wirklichkeit verwickelter. Hat er fünf Linien, bringt die erste vielleicht fünfzig, sechzig Prozent gute Fische, die fünfte nur zehn Prozent. Aber diese zehn Prozent sind oft besser als alles aus der ersten.

Dann erzählte er von einem Nisai, den Dainichi sehr günstig verkauft hatte, für 50.000 Yen. Der Fisch wurde später Grand Champion. „Frag mich nicht, warum. Ich bin nicht Gott“, sagte Shigeru. „Würde ich die Zukunft kennen, hätte ich ihn nie verkauft.“

Für einen Züchter hat die Sache noch eine zweite Seite. Manche Linien bringen sehr viele schöne Fische mittlerer Qualität, die sich gut verkaufen. Andere bringen nur wenige, aber darunter vielleicht den künftigen Grand Champion. Wovon eine Farm lebt, ist meist das Erste.

Alle schauen aufs Muster

Bei kleinen Fischen sieht man fast nur das Muster, das versteht Shigeru. Die Körperform ist schwer zu erkennen, die Farbe ändert sich ständig. Aber nach seiner Erfahrung wachsen gerade die Fische mit dem schönsten Muster prozentual oft nicht stark. Und er erlebt immer wieder dasselbe: Die Leute sehen den schönen Körper und sagen „wow“, und dann geben sie ihr Geld für den anderen Fisch aus, den mit dem schönen Muster und dem schwachen Körper. „Immer falsch, immer falsch.“

Manchmal verstehe ich allerdings, warum Liebhaber in anderen Ländern anders kaufen. In Thailand und Teilen Indonesiens ist es das ganze Jahr heiß. Es gibt keine Winterruhe, keinen Herbst, in dem die Fische bei sinkender Temperatur kräftig fressen, keine Zeit zwischen Kälte und Sommer, in der sie Volumen aufbauen. Dort lässt sich das gewaltige Volumen eines Champion-Koi kaum erreichen, und so achten die Liebhaber mehr auf Haut, Kiwa und Sashi und darauf, dass das Muster stabil bleibt.

„Ein schönes Muster als Nisai erkennt jeder. Aber Kunst ist der gute Körper.“

Shigeru Mano
geijutsu芸術

Ein Meter mit großem Körper gewinnt

Shigeru teilt seine Kunden in zwei Gruppen. Die einen suchen das schöne Muster und hoffen auf einen Größensieg. Die anderen sagen: Ich brauche keinen Größensieger, ich will einen Grand Champion, zeig mir, welchen Fisch ich kaufen soll. Ihnen rät er: zuerst den Körper ansehen, dann Qualität und Haut. Ob das Muster groß oder klein ist, ist zweitrangig. „Einen Grand Champion mit wirklich schönem Muster habe ich nie gesehen“, sagte er. „Immer ein ordentliches, mittelmäßiges Muster. Über neunzig Zentimeter, guter Körper: Grand Champion.“

Wenn er Nisai selektiert, gefällt ihm deshalb manchmal gerade der etwas hässliche Fisch mit dem wirklich guten Körper. Fünf Jahre warten, über neunzig Zentimeter, breiter Körper, und dann fragen zehn Leute: Wie hast du dieses Muster gehalten? „Das ist Kunst, wirklich Kunst“, sagte er. „So ein Fisch ist ein Diamant.“

Mein grüner Fisch

Dazu habe ich Shigeru eine eigene Geschichte erzählt. Vor vielen Jahren stand ich in Maruhiros Gewächshaus, es war Saisonbeginn und das Wasser noch etwas trüb. An der Oberfläche zeigte sich ein Fisch, tiefgrün wie eine japanische Sicheltanne, mit einem leichten metallischen Glanz. Ein fantastischer Fisch. Ich habe Stunden an diesem Becken verbracht, um ihn wiederzusehen, weil ich nicht sicher war, ob das Bild in meinem Kopf stimmte. Schließlich haben wir das Becken abgefischt und ihn gefunden: ein Sansai, etwa 58 Zentimeter. Ich habe ihn gekauft und nach Deutschland gebracht.

Dort sah er schon nicht mehr so aus wie in meiner Erinnerung. Nach ein, zwei Jahren wurde er bronzebraun mit metallischem Glanz, nach zwei, drei Jahren war er über neunzig Zentimeter groß. Verkauft habe ich ihn am Ende, aber ein gutes Geschäft war es nicht. Im ersten Moment war er etwas ganz Besonderes.

„So läuft es bei Kawari manchmal“, sagte Shigeru. „Der Form kann man vertrauen, aber nicht wirklich der Farbe.“ Wie man das Besondere stabil bekommt, sodass ein Fisch es über vier Jahre behält, das ist die eigentliche Arbeit des Züchters.

50.000 ¥

kostete ein Nisai, der später Grand Champion wurde.

90 cm

und ein guter Körper: So sieht für Shigeru ein Grand Champion aus.

20 %

Ginrin bringt eine Ginrin-Showa-Verpaarung bei der ersten Selektion. Davon sind nur wenige gut.

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Black Diamond, ein Moment im Leben

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich Farbe verändern kann, haben wir gemeinsam erlebt: den Black Diamond. Als Shigeru ihn züchtete, gab es viele schöne, weiß glänzende Fische mit etwas Schwarz. Dann kam das Schwarz hoch, wie man es vom Kumonryu kennt, und mit vier, fünf Jahren sahen sie ganz besonders aus. Mit dem Alter wurden sie immer schwärzer. Der wirklich schöne Black Diamond ist nur ein Moment in seinem Leben.

Ich hatte Shigeru damals etwa vierhundert Stück abgekauft und dreißig, vierzig davon behalten, die schönsten. Als Sansai waren sie wunderschön, und im Herbst habe ich einige verkauft. Im Frühjahr wollten die Kunden ihre Fische abholen, und ich fand sie nicht wieder, so stark hatten sie sich verändert. Ich musste alle anrufen und bitten, noch einmal zu kommen und sich ihren Black Diamond neu auszusuchen.

Shigeru hat den Black Diamond aufgegeben. „So schwierig“, sagte er. Die Körperform aber war hervorragend.

Futter und eine neue Showa-Linie

Kawari brauchen kein teures Farbfutter. Shigeru gibt ihnen dasselbe wie den anderen, nur ohne Carotin, und mischt immer vier, fünf verschiedene Sorten.

Spannend wird es bei den Showa, für die Dainichi bekannt ist. Shigeru hat im vergangenen Jahr die Karashi-Linie mit Showa gekreuzt, genauer: die zweite Generation der Karashi-Linie, die schon mit Kohaku gekreuzt war, ein Kohaku mit etwa einem Viertel Karashi-Blut. Einen Kawari Showa will er damit nicht machen, sondern einen neuen Showa-Typ, mit breiterer Genetik für einen größeren Körper. Die Tosai daraus heißen White Mona Lisa. Was aus ihnen wird? „Ich kenne die Zukunft nicht.“

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Warum sich Ginrin Showa nicht rechnet

Am Ende fragte ich nach dem Ginrin Showa. Shigerus Antwort war eine kleine Rechenaufgabe: Was ist leichter zu machen, ein wirklich schöner Ginrin Showa oder ein Showa? Der Showa. Und was ist teurer? Auch der Showa.

Er kreuzt Ginrin Showa immer nah am Showa, damit der Körper stark wächst. Bei der ersten Selektion sind dann nur zwanzig Prozent Ginrin, achtzig Prozent Showa, und von den zwanzig Prozent sind nur sehr wenige gut. Die Showa aus diesen Teichen sind mittelmäßig. Zehn Mudponds nutzt er dafür. Würde er dieselben Teiche nur für Showa nehmen, wäre der Erfolg um ein Vielfaches größer. „Als Liebhaber würde ich viele Ginrin Showa machen“, sagte er. „Aber das ist Geschäft.“

Ganz aufgeben will er ihn trotzdem nicht. Er mag Ginrin Kohaku und Ginrin Showa, und als Händler muss man viele Sorten zeigen können. Also gibt es jedes Jahr ein paar, nicht viele. Das ist vielleicht die ehrlichste Antwort dieser drei Gespräche: Zwischen Liebhaberei und Geschäft liegt bei einem großen Züchter jeden Tag eine Entscheidung.

Drei Gespräche an der Schüssel

Damit endet unsere kleine Reihe. Wer Shigeru selbst hören möchte, findet alle drei Folgen hier im Magazin und auf YouTube. Und wer wissen will, wie der Koi-Handel aussah, bevor es Sauerstoff und Plastikbeutel gab, dem erzählt Tsuyoshi Kawakami davon.

Shigeru hebt einen goldgelben Jungfisch im Kescher aus der Schüssel
Shigeru beim Sortieren, September 2026.