対話taiwa

Zurück aus Japan

Haaki mit Bachmann, Folge 36 und 37. Zwei Wochen Niigata im September 2026: was sich bei Züchtern und Händlern verändert hat, was ein Taifun anrichtet und was Prof. Harry Palm von der Reise mitnahm.

Prof. Harry Palm an einem Mudpond, September 2026.

Kaum war ich wieder zu Hause, saß Haaki am 18. Oktober 2026 im Koi-Haus und wollte alles wissen. In Folge 32 hatte er mich vor der Reise gefragt, was ich vorhabe. Jetzt ging es darum, was daraus geworden ist. Es wurden zwei Folgen: die erste über die Züchter und den Handel, die zweite über die Reise mit Prof. Harry Palm.

Folge 36: Japan 2026 – Agenten, Auktionen und der Weg nach China.

Die Züchter treffen sich jede Woche

Wer länger mit Japan zu tun hat, kennt die Züchter-Gemeinschaft in Niigata. Über allem steht die Shinkokai, der große Verband, und einmal in der Woche sitzen kleine und große Züchter dort zusammen. Ich glaube, sie sprechen über ganz handfeste Dinge: Wer hat bezahlt, wer nicht? Wie steht der Yen zum Euro, zum Dollar, zum Singapur-Dollar, und was heißt das für die Kaufkraft der Kunden? Die Züchter sind hellwach.

Dazwischen stehen die Agenten. Früher war ich selbst einer von ihnen: Man fährt mit den Händlern von Züchter zu Züchter, übersetzt, verhandelt, kümmert sich um den Abend, den Export und am Ende um die Fahrt zum Flughafen. Die meisten fahren immer wieder dieselben Straßen ab. In diesem Jahr war ich weiter unterwegs als viele: bis Chuetsu zur Nagoshi Koi Farm und nach Fukui zur Kachi Koi Farm, deren Züchter bei Dainichi gelernt hat. Dann ging es mit Kunden über Osaka nach Hiroshima, mit dem Mietwagen zu Omosako, Sakai und Oyama.

Wer wo kauft

Das machen nur wenige. Die meisten lassen die großen Züchter wie Sakai, Dainichi oder Momotaro aus, weil sie ihnen zu teuer sind. Sie reisen mit einem Händler und besuchen viele Züchter der zweiten Reihe, um eine große Vielfalt an Varietäten abzudecken. Daneben gibt es eine ganz andere Liga: Händler, die gezielt den einen herausragenden Kohaku oder Showa für eine Schau oder einen Spitzenkunden suchen. Und es gibt Händler wie Ryuki Narita, der inzwischen ein eigenes Fischhaus bei Nagaoka gebaut hat. Dort können Reisegruppen, die nur den Norden bereisen, auch Fische aus dem Süden kaufen, etwa von Sakai oder Omosako.

Bei China hat sich etwas verändert. Nach meinem Eindruck müssen Koi dort jetzt länger in Quarantäne, bevor sie weitergehen. Das bremst gerade den schnellen Export der Tosai, und der Druck der chinesischen Käufer hat in diesem Jahr etwas nachgelassen.

Die Preise steigen trotzdem weiter. Auch das muss man respektieren: Die Züchter heizen mit Petroleum, und die Kosten laufen ihnen davon. In diesem Jahr war ich ohnehin vor den Reisegruppen da, die erst im Oktober kommen. Ich wollte nur meine Fische sortieren, und das hat wieder gut funktioniert: Ich durfte neben Shigeru sitzen und in der zweiten Reihe mit ihm sortieren.

Lose ziehen statt einkaufen

Die kleinen Züchter schauen auf die großen. Wenn ein großer Züchter bei einer Auktion 150 frische Nisai anbietet und einzelne Fische dabei viele Millionen Yen bringen, fragt sich der kleine, wie er davon etwas abbekommt. Wer groß genug ist, veranstaltet eine eigene Auktion. Andere tun sich zusammen, jeder Züchter gibt sechs Fische, es gibt einen Katalog, und Händler bieten vor Ort oder online.

Dabei habe ich etwas Merkwürdiges beobachtet. Die guten Kohaku, Sanke und Showa von Züchtern wie Nogami oder Torazo gingen oft günstig weg, während ausgefallene Varietäten auf einmal irre Preise erzielten. Manchmal hätte ich am liebsten gesagt: Fahr drei Straßen weiter, geh beim Züchter in die Halle, da bekommst du denselben Fisch für ein Drittel. Aber bei Auktionen gibt es eben diesen Moment, in dem alles hochläuft.

Bei kleineren Züchtern wird dazu oft gelost: Wer das erste Los zieht, sucht zuerst aus, dann der Zweite, und erst wenn man seine Fische im Netz hat, spricht man über den Preis. Früher habe ich so etwas in zehn Minuten abgehandelt und bin zum nächsten Züchter gefahren. Mit unserer Anlage hier könnte ich mir heute einen ganzen Vormittag dafür nicht mehr leisten.

Lohnt sich die Reise noch?

Haaki wollte wissen, ob bei so vielen Fischen im Internet überhaupt noch jemand nach Japan reisen muss. Ich glaube, ja. Für einen Händler ohne große eigene Anlage lohnt es sich, selbst hinzufahren, gerade bei kleineren Züchtern und bei Nischen, wo man für sein Geld den besten Fisch findet. Mit einem guten Agenten, der sich auskennt, funktioniert das nach wie vor. Und beim normalen Züchter direkt in der Halle auszusuchen und zu verhandeln, ist schneller und meist günstiger als jede Auktion. Dazu würde ich immer raten.

Auch der Zeitpunkt zählt. Im Oktober, wenn die ganze Welt in Japan ist, sind die Preise hoch. Im November sind sie noch da, im Januar etwas tiefer. Zur Shinkokai im Februar steigen sie noch einmal, weil alle auf ein gutes Geschäft hoffen. Danach ist die Auswahl kleiner, das Beste ist weg. Die Frage ist, welches Niveau man für seinen Markt wirklich braucht.

„Beim Züchter in der Halle aussuchen und verhandeln: viel schneller, viel effektiver, und der Preis ist wahrscheinlich günstiger als bei der Auktion.“

Harald Bachmann

Was der Professor mitnahm

Mit Harry Palm war ich an den Naturteichen und habe ihm den ganzen Arbeitszyklus einer Koi-Farm erklärt: im Winter Aquakultur in den Hallen, im Sommer Teichwirtschaft draußen, so wie es die Karpfenteiche auch in Deutschland kannten. Wie die Teiche gepflegt und desinfiziert werden und wie sich das durchs Jahr dreht, hat ihn sehr interessiert.

Umgekehrt habe ich von ihm etwas gelernt. Harry erzählte, wie der Karpfen nach Mitteleuropa kam, über die Zisterzienser, und dass Karpfen sich sehr schnell an ihr Gewässer anpassen, schon nach wenigen Generationen, viel schneller als etwa Lachse, die eher feste Linien bilden. Für die beiden Zentren der Koi-Zucht, Niigata und Hiroshima, ist das eine spannende Frage, auch wenn die guten Züchter wie Sakai und Dainichi immer wieder Linien austauschen. Die Einzelheiten soll Harry einmal selbst erklären, vor unserer Kamera. Das ist sein Fach, und ich will nichts vorwegnehmen.

Die zweite Folge erzählt die Reise selbst: vom Wetter in den Bergen, vom Taifun, von der Forellenfarm und von Shigeru an der Schüssel.

Folge 37: Mit Prof. Palm in Japan – Taifun, Forellenfarm, Shigerus Sortierung.

Ein kühler Sommer und gebrochene Dämme

Von der Planke über dem Futterautomaten sieht man in den Naturteichen kaum etwas, nur Schatten, die sich nach den Pellets bewegen. 2025 standen die Fische höher, 2026 hielten sie sich eher unten. Der Sommer in Niigata war kühler, sagte auch Shigeru, und die Tosai blieben etwas kleiner. Aus Hiroshima hörte man dagegen von einem warmen Sommer und sehr guten Ergebnissen.

Dazu kam viel Regen, und das ganz unterschiedlich: Wenige Kilometer weiter hatte ein Züchter ein gutes Jahr, anderswo brachen Dämme, Teiche liefen leer und Fische schwammen in den nächsten Bach. Als ich die ersten Tage allein unterwegs war, waren etliche Straßen gesperrt, und ich musste Wege durch den Wald fahren, die ich seit zehn, fünfzehn Jahren nicht mehr gefahren war. Ein Vorsatz hat mir gutgetan: Jeden Abend vor Sonnenuntergang stand ich auf einem anderen Berg, schaute auf die Mudponds hinunter, hörte den Zikaden zu und las ein wenig, bevor ich in Ojiya zum Abendessen fuhr.

taifū台風

Taifun 25

In Japan bekommen Taifune keine Namen, sondern Nummern. Als Harry Palm aus Tokio zu mir kommen wollte, zog gerade Taifun 25 über die Stadt. Harry nahm den Shinkansen ein, zwei Stunden, bevor der Sturm richtig einschlug, und ich holte ihn in Nagaoka am Bahnhof ab. Seine Kollegen in Tokio sagten ihm später am Telefon, er sei gerade noch rechtzeitig herausgekommen.

Die Tani Koi Farm stand unter Wasser, Fische wurden in die Reisfelder gespült. Züchter aus Niigata fuhren nach Tokio, um zu helfen und die Fische aus den Feldern wieder einzusammeln. Das hat mich beeindruckt.

Die Forellenfarm

Auf der Rückreise besuchten wir die Forellenanlage, deren Kontakt Bram hergestellt hatte: eine Aquakultur in industriellem Maßstab, mit dem Ziel von 3.500 Tonnen Fisch im Jahr, mit Technik aus Norwegen und Island, mit riesigen Sortiermaschinen und Fischpumpen. Davon erzählt ein eigener Beitrag.

Netze, Handwerk und Selektion

Haaki fragte, was der Aquakultur-Professor an der Koi-Zucht überraschend fand. Professoren haben ihr Spezialgebiet, und Harrys ist die Parasitologie: Bei den Rüsselbandwürmern gilt er als einer der führenden Fachleute weltweit. Beim Karpfen sagte er oft: Ach, so macht ihr das. Schon bei uns in der Anlage war er begeistert, als Frank und ich ihm zeigten, wie wir ein Becken mit zwei Stangen und Bleischnur abfischen. Unsere Kescher und Netze lasse ich in Japan anfertigen. Das ist Handwerkszeug, das man hier nicht beim normalen Netzbauer bekommt, denn bei einem Zierfisch darf keine Flosse knicken.

Überrascht hat ihn, wie viel noch sortiert werden muss. Er dachte, die Linien seien längst so gefestigt, dass aus einem Showa-Ansatz fast nur Showa schlüpfen. Aber weil wir immer größere, voluminösere Fische wollen, werden immer wieder Linien gekreuzt und rückgekreuzt, und so bleibt viel zu sortieren.

Shigeru hat jeden Fisch in der Hand

In der Zeit, in der wir dort waren, sitzt Shigeru von morgens bis abends da und nimmt jeden Fisch einzeln in die Hand. Was vom Lastwagen kommt, sortiert er durch: Seine Tategoi für die eigenen Becken nimmt er heraus, den Rest teilt er in A-, B- und C-Qualität. Und nach zwei, drei Wochen im klaren Wasser der Betonbecken könnte er fast wieder von vorn anfangen, denn beim Wechsel aus dem trüben, mineralreichen Mudpond verändern sich die Fische noch einmal schlagartig.

Bei den Kawarimono ist es noch aufwendiger. Anfangs liefen sie bei Dainichi eher nebenher, heute stecken eigene Larventeiche darin, weil so viele Kunden danach fragen. Dunkle Tiere kommen noch einmal drei Wochen in den Mudpond, bekommen einen Platz an der Sonne, und danach wird wieder sortiert. Shigerus besonderer Punkt: Lange, dünne Kawarimono über einen Meter können viele. Aber ein richtiges Gesicht wie bei Kohaku oder Showa, dazu Volumen, das können nur wenige. Und solche breiten Fische muss man im ersten Winter warm halten, sonst zeigen sie diesen Körper nicht.

Unsere neuen Nisai

Unsere Tosai haben inzwischen Geburtstag und heißen Nisai, und die neuen Tosai sind auf dem Weg. Ein normaler Züchter in Niigata hat Nisai mit 45 bis 50 Zentimetern. Wir hatten vor einigen Jahren schon Nisai mit 68, 70 Zentimetern und großem Volumen, und solche Ausnahmefische wird es wieder geben. Wer selbst eine gute Innenhälterung hat, kann sich bei uns auch einmal einen sechs bis acht Monate alten Jungfisch holen und ausprobieren, wie weit er ihn bringt. Haaki hat genau das vor zwei, drei Jahren getan und seinen Fisch fast so groß bekommen wie unseren Durchschnitt.

Wer zu uns kommt, ist oft überrascht, wie groß die Fische und die Anlage in Wirklichkeit sind. Auf den Videos kommt das kaum rüber. Vielleicht machen wir deshalb einmal einen Tag der offenen Tür, mit Desinfektionswannen und allem, was dazugehört. Bis dahin kommen die Stammtische, die uns jedes Jahr an ihren Feiertagen besuchen.

Torazo baut aus, China baut groß

Bei Torazo hat Tsuyoshi viel verändert: neue Fischhäuser, neues Land, neue Mudponds. Mit Harry Palm sind wir hinausgefahren und haben uns das angesehen. Morgens um halb sechs war ich ohnehin mit den Jungs von Dainichi beim Abfischen draußen. Den Spaß lasse ich mir nicht nehmen, und um acht saß ich dann mit Harry beim Frühstück.

Zum Schluss sprachen Haaki und ich über China. Dort sind riesige Farmen entstanden, zehnmal größer als in Japan, und chinesische Anbieter werben weltweit um Kunden. Ich fürchte, es läuft ähnlich wie bei unserer Autoindustrie: erst lernen, dann zu Hause groß aufbauen, mit viel staatlicher Unterstützung. Das Spitzenprodukt aus Japan wird bleiben, glaube ich. Aber in der Breite wird aufgeräumt, und dann stellt sich die Frage, wohin die Preise gehen.