Von Botan zu Yellow Monkey
Sortieren mit Shigeru, Folge 1. Im September saß ich auf der Dainichi Koi Farm mit Shigeru Mano an der Schüssel und habe ihn gefragt, wie seine Ginrin-Linien entstanden sind.
Morgens bei der Ernte am Mudpond, September 2026. Foto: Naoto.
Der Tag auf der Farm beginnt um halb sechs. Auf dem Weg dorthin wird über den Feldern gerade der Himmel rot.

Sortieren ist die stillste Arbeit auf einer Koi-Farm. Die Jungfische kommen in die große Schüssel, und dann wird jeder einzelne mit dem Kescher herausgehoben, angesehen und entschieden: Er bleibt, oder er geht. Stundenlang, Fisch für Fisch. Wer dabei nebeneinandersitzt, hat Zeit zu reden, und genau diese Zeit habe ich im September 2026 genutzt. Wir sprachen Englisch, ich habe gefragt, und Shigeru hat erzählt.

Ein Weibchen, drei Männchen
Am Anfang stand die Botan-Linie. Ich hätte geschätzt, dass das fünfzehn Jahre her ist, Shigeru meint eher acht bis zehn. Das Weibchen war ein Karashi von Sakai, die Männchen kamen von Maruhiro, und zwar gleich drei verschiedene. Das war Maruhiros Rat: Wer etwas Ungewöhnliches machen will, einen besonderen Kawari, braucht ungewöhnliche Männchen, und nicht nur eines, sondern mindestens drei. Shigeru hat es so gemacht.
Eigentlich hatte er ein ganz anderes Ziel. Maruhiro besaß damals einen wunderschönen Kinmatsuba Ogon, und genau so einen wollte Shigeru auch. Mit einer Karashi-Mutter, warnte Maruhiro, werde das schwer. Es kamen tatsächlich ein paar Kinmatsuba heraus, vor allem aber viele andere Sorten, die vom Weibchen stammten. Shigeru behielt einfach die ungewöhnlichen Tiere, ein paar Wagoi, ein paar Doitsu. Viele gute Fische waren nicht dabei.
Einer aber schwimmt heute noch: ein großer Doitsu von über 93 Zentimetern, früher schwarz-weiß, inzwischen ganz weiß und mit einem sehr guten Körper. Er ist jetzt Elterntier für eine neue Linie, von der in der nächsten Folge die Rede ist.
Den Kinmatsuba Ogon hat Shigeru inzwischen aufgegeben. „Als Tosai sieht er gut aus, als Nisai kommen die Shimi hoch. Als Sansai sind sie wieder weg, dann kommen sie wieder“, sagte er. „Das macht mich verrückt.“
Ein Kohaku-Körper in Gelb
Was den Sakai-Karashi damals so wertvoll machte, war nicht seine Farbe, sondern seine Gestalt. Körper und Gesicht standen einem Kohaku nahe, viel Volumen statt des langen Körpers, den man von Kawari sonst kennt. Diese Form trägt alles, was daraus entstanden ist.
Heute ist der Yellow Monkey dran, ein Ginrin Karashi aus dieser Sakai-Linie, mit Kohaku gekreuzt. Neben anderen Ginrin Karashi sieht er ganz anders aus, sobald er groß wird: andere Körperform, anderer Wuchs, ein anderes Gesicht. Shigeru hat es auch mit einem gewöhnlichen Karashi-Weibchen versucht. Heraus kam der Körper eines gewöhnlichen Karashi, und den will er nicht.
Warum gerade Gelb? „Die Leute mögen die gelbe Farbe. Ich auch. Und ich mag Ginrin“, sagte Shigeru. Dazu wachsen die Fische stark, werden dick, fressen viel, glänzen und sind lebhaft. „Es macht Spaß, sie zu füttern.“
„Als Tosai sieht jeder aus wie ein Kawari. Ich suche einen großen, mächtigen, glänzenden Körper. Das ist nicht leicht.“
Schwerer als Gosanke
Viele glauben, einen guten Kawari zu züchten sei einfacher als einen guten Kohaku, Sanke oder Showa. Shigeru widerspricht. Gerade weil ein Kawari meist einfarbig ist, muss er groß werden, stark wachsen und einen schönen Körper haben, sonst bleibt nichts übrig, was ihn trägt. Dünne, lange Fische zu machen ist leicht. Die will nur niemand.
Heute schwarz, morgen gelb
Und dann ist da die Unberechenbarkeit. Einer der Fische vor uns war vor einem Monat noch ganz schwarz, dann gelb und schwarz, jetzt ist er gelb. In einen Teich hatte er nur schwarze Chagoi gesetzt, und sie wurden zu dieser Farbe. Die schuppenlosen Doitsu sind im Mudpond fast weiß und werden im Betonbecken nach der Ernte dunkler. „Das kann sich niemand vorstellen“, sagte er. „Das ist wirklich Kunst. Darum mag ich Kawari.“


Für Händler hat das eine ganz praktische Seite, und darüber waren Shigeru und ich uns schnell einig. Im Herbst bitten viele Liebhaber darum, ihren Fisch bis zum nächsten Jahr in Pflege zu lassen. Bei einem Kohaku oder Sanke ist das kein Problem, jeder Fisch ist an seinem Muster zu erkennen. Aber unter hundert Chagoi den einen wiederzufinden, der sich in einem halben Jahr verändert hat? Ohne Chip geht es nicht, und selbst dann muss man alle hundert prüfen. Ein Foto allein hilft wenig, der Fisch verändert sich ja. Am ehesten noch ein genaues Bild der Linie vom Kopf bis zur Rückenflosse, denn die ist wie ein Fingerabdruck.
verschiedene Männchen von Maruhiro standen am Anfang der Botan-Linie.
Mudponds nutzt Shigeru heute nur für die Kawari-Nachzucht. Früher waren es zwei, drei.
der ausländischen Käufer in Niigata suchen nach Shigerus Erfahrung Kawari, nur 30 % Gosanke.

Fünfundzwanzig Teiche
Wie viele Mudponds er für Kawari nutzt, habe ich ihn gefragt. „Ehrlich gesagt habe ich das noch niemandem erzählt“, antwortete er, denn Dainichi ist vor allem für Gosanke bekannt. Es sind fünfundzwanzig. Am Anfang waren es zwei oder drei, damals hielt er Kawari noch für leicht. Er hat schnell gemerkt, dass das nicht reicht, und ist heute bei fünfundzwanzig. Mehr sollen es aber nicht werden. „Das reicht. Ich muss bessere Gosanke machen.“
Denn eigentlich mag er Gosanke. Jedes Jahr verpaart er siebzig bis achtzig Paare Kohaku, Showa und Sanke. Umso bemerkenswerter findet er, was heute in Niigata passiert: Aus der ganzen Welt kommen Käufer, und sieben von zehn suchen Kawari. „Sie suchen etwas Verrücktes, etwas anderes. Ich kenne nicht einmal alle Namen.“
Erst ein Kürzel, dann ein Name
Wie eine neue Linie zu ihrem Namen kommt, sieht man im Gewächshaus am Whiteboard. Dort stehen zuerst nur Kürzel, DM, DYM, Test 1 bis 7, C1, K2. Erst wenn eine Verpaarung über die Jahre hält, was sie verspricht, bekommt sie einen richtigen Namen. Gibt man ihn zu früh und die Linie enttäuscht, muss man ihn wieder ändern. Bei den Showa ist das gerade die Monroe-Linie. Inzwischen gibt es Monroe Jr., und von Monroe Jr. wiederum fünfzehn Verpaarungen. „Welche ist gut? Alles ein Test.“
Nie fertig
Zum Schluss wollte ich wissen, ob Shigeru einen Plan für die nächsten zehn Jahre hat, ein Ziel, auf das er hinarbeitet. „Ehrlich gesagt habe ich gerade kein Ziel“, sagte er. Jedes Jahr selektieren, aufziehen, anschauen, im nächsten Jahr etwas Neues probieren. Ein Aragoke ist immer klein, er möchte einen großen machen. Wie, weiß er noch nicht.
„Was ist ein Ziel?“, fragte er zurück. „Ich glaube, es gibt nie ein Ziel. Immer an Neues denken, probieren, probieren. Besser werden, aber nie fertig.“ Das gilt für Kohaku, Showa und Sanke genauso wie für seine Kawari. Wäre es leicht, einen wirklich großen, schönen Körper zu züchten, könnten es viele. Es können aber nicht viele.
Weiter mit Shigeru
In der nächsten Folge geht es um den White Monkey, den zweiten Anlauf mit Black Zeus, die Geschichte der Kujaku und die Frage, wann Shigeru künstlich und wann natürlich verpaart.
